Der Frühling ist da – und mit ihm die ersten dicken Rhabarberstangen, die seit Anfang März auf den Wochenmärkten liegen und mit ihrer leuchtend roten Schale nach Aufmerksamkeit verlangen. Kaum ein Gemüse – botanisch gesehen – verkörpert den Saisonwechsel so unverkennbar wie Rhabarber: herb, säurebetont, leicht bitter und gleichzeitig von einer Frische, die kein Aromastoff der Welt imitieren kann. Genau diese Eigenheit macht ihn zum idealen Begleiter für einen Streuselkuchen vom Blech, bei dem die Streusel die Schärfe zähmen und die saftige Füllung darunter für Überraschung sorgt.
Dieser Blechkuchen löst ein klassisches Backproblem: Rhabarber gibt beim Backen viel Flüssigkeit ab und macht Böden schnell matschig. Die hier beschriebene Methode – eine hauchdünne Schicht Grieß zwischen Teig und Früchten – saugt den austretenden Saft auf und sorgt dafür, dass der Boden knusprig bleibt, während die Füllung saftig und weich wird. Das Ergebnis ist ein Kuchen mit klar definierten Schichten: knuspriger Mürbeteigboden, fruchtig-säuerliche Rhabarbermasse, krümelige Butterstreusel obenauf. Die Vorbereitungszeit beträgt keine 35 Minuten – wer möchte, kann den Teig auch am Vorabend vorbereiten. Schürze anlegen, Backofen auf 180 °C Umluft vorheizen.
| Vorbereitung | 20 Min. |
| Backzeit | 35 Min. |
| Portionen | ca. 20 Stücke (Blech 30 × 40 cm) |
| Schwierigkeit | Einfach |
| Kosten | € |
| Saison | Rhabarber (März–Juni), Frühling |
Geeignet für: Vegetarisch
Zutaten
Für den Mürbeteigboden
- 300 g Weizenmehl (Type 405)
- 150 g kalte Butter, in Würfel geschnitten
- 80 g Puderzucker
- 1 Ei (Größe M)
- 1 Prise Salz
- 1 TL Backpulver
Für die Rhabarbarfüllung
- 900 g frischer Rhabarber, geputzt und gewogen (ca. 1 kg ungeputzt)
- 120 g Zucker
- 1 Päckchen Vanillezucker (8 g)
- 2 EL feiner Weizengrieß (zum Bepudern des Teigs)
- ½ TL abgeriebene Zitronenschale (Bio-Zitrone)
Für die Streusel
- 200 g Weizenmehl (Type 405)
- 120 g weiche Butter
- 100 g Zucker
- 1 Prise Zimt (gemahlen)
- 1 Prise Salz
Küchenwerkzeug
- Backblech (30 × 40 cm), gefettet oder mit Backpapier ausgelegt
- Große Rührschüssel (× 2)
- Nudelholz
- Küchenmesser und Schneidebrett
- Sparschäler
- Backgitter zum Abkühlen
- Küchenwaage
Zubereitung
1. Den Rhabarber vorbereiten
Den Rhabarber unter fließendem kalten Wasser abbürsten und die Enden kappen. Je nach Dicke der Stangen entscheidet man, ob man ihn schält: Junge, dünne Stangen mit leuchtend roter Haut brauchen in der Regel nicht geschält zu werden – die Haut ist zart und gibt dem Kuchen Farbe. Ältere, dickere Stangen hingegen entwickeln eine faserige, zähe Außenschicht, die man besser mit einem Sparschäler entfernt. Den geputzten Rhabarber in gleichmäßige Stücke von etwa 1 bis 1,5 cm schneiden – so gart er gleichmäßig durch und zerfällt nicht zu Brei. Die Stücke in eine Schüssel geben, mit 120 g Zucker, dem Vanillezucker und der Zitronenschale vermengen und beiseite stellen. Der Zucker beginnt innerhalb von Minuten, Feuchtigkeit aus dem Rhabarber zu ziehen – man sieht, wie sich ein rosafarbener Saft am Schüsselboden sammelt. Diese Flüssigkeit nicht abgießen, sie gehört später zur Füllung.
2. Den Mürbeteig herstellen
Mehl, Puderzucker, Backpulver und Salz in einer großen Schüssel mischen. Die kalte Butter in Würfeln dazugeben und mit den Fingerspitzen oder einem Teigschaber rasch in die Mehlmischung einarbeiten, bis die Masse aussieht wie grober Sand – dieser Vorgang heißt Sablieren und ist der Schlüssel zu einem mürben, nicht zähen Boden. Wärme ist hier der Feind: Je länger man knetet, desto mehr Gluten bildet sich, und der Teig wird elastisch statt mürbe. Das Ei hinzufügen und den Teig zügig zu einem homogenen Ball formen. Nicht überarbeiten. Den Teig flach drücken, in Frischhaltefolie wickeln und für 10 Minuten in den Kühlschrank legen – das Fett festigt sich wieder und der Teig lässt sich danach leichter ausrollen.
3. Den Teig ausrollen und das Blech auskleiden
Den gekühlten Mürbeteig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem Rechteck ausrollen, das etwa 2–3 cm größer als das Backblech ist. Den Teig vorsichtig über das Nudelholz aufrollen und auf das vorbereitete Blech abwickeln – so reißt er weniger leicht. Die Ränder leicht hochziehen und mit den Fingern andrücken, um eine kleine Randlippe zu formen, die die Rhabarbarfüllung zurückhält. Den Teigboden gleichmäßig mit den 2 EL Weizengrieß bestäuben. Diese Schicht ist unscheinbar, aber entscheidend: Der Grieß quillt beim Backen auf, saugt den Rhabarbersaft auf und verhindert, dass der Boden durchweicht.
4. Die Streusel herstellen
Mehl, weiche Butter, Zucker, eine Prise Zimt und eine Prise Salz in einer Schüssel mit den Händen zu groben Streuseln verreiben – das bedeutet: die Zutaten zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger zu unregelmäßigen Krümeln zusammendrücken und immer wieder loslassen, ohne sie zu einem geschlossenen Teig zu verkneten. Die Unregelmäßigkeit ist gewollt: Große und kleine Streusel sorgen für eine abwechslungsreiche Textur – manche bleiben beim Backen knusprig, andere werden leicht weich und karamellartig. Die fertigen Streusel bis zur Verwendung kühl stellen.
5. Den Kuchen belegen und backen
Den Backofen auf 180 °C Umluft (oder 200 °C Ober-/Unterhitze) vorheizen. Die gesüßten Rhabarberstücke mitsamt dem ausgetretenen Saft gleichmäßig auf dem Grieß verteilen. Achten Sie darauf, dass keine Lücken entstehen – der Rhabarber fällt beim Garen in sich zusammen, sodass die Schicht am Ende dünner wirkt als beim Belegen. Die Streusel großzügig über die Füllung streuen und dabei die gesamte Oberfläche bedecken. Das Blech auf der mittleren Schiene des Ofens einschieben und 30 bis 35 Minuten backen, bis die Streusel eine tiefe goldbraune Farbe angenommen haben und der Rhabarber darunter leise blubbert. Auf einem Backgitter vollständig auskühlen lassen, bevor man den Kuchen in Stücke schneidet – so setzt sich die Füllung und die Stücke lassen sich sauber portionieren.
Mein Küchentipp
Wer besonders saftige Streusel mit einem leicht nussigen Aroma möchte, gibt 50 g gemahlene Mandeln in den Streuselteig und ersetzt damit die gleiche Menge Mehl. Die Mandeln binden das Fett der Butter anders als Mehl allein und sorgen für eine Streuselschicht, die beim Abkühlen knackiger wird. Im Frühling lässt sich die Füllung außerdem wunderbar mit einem Stück frischem Ingwer (ca. 1 cm, fein gerieben) aufpeppen – seine leichte Schärfe ergänzt die Säure des Rhabarbers und verhindert, dass die Süße der Streusel übermächtig wird.
Getränke zum Rhabarber-Streuselkuchen
Die ausgeprägte Säure und die butterige Streuselsüße des Kuchens verlangen nach einem Getränk, das beides aufnehmen kann, ohne davon überdeckt zu werden.
Ein Riesling Kabinett aus der Mosel – leicht süßlich, mit lebendiger Restsäure und Aromen von grünem Apfel und Aprikose – bildet eine klassische Ergänzung, weil seine Fruchtigkeit die Streusel spiegelt und seine Säure den Rhabarber nicht übertrumpft. Wer keinen Wein möchte, greift zu einem gut gekühlten Rhabarber-Holunderblüten-Schorle oder einem milden Darjeeling First Flush, dessen blumige, leicht adstringierende Note den Kuchen sehr sauber begleitet.
Wissenswertes über Rhabarber-Streuselkuchen
Rhabarber ist in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert als Nutzpflanze bekannt, wurde aber lange ausschließlich als Heilmittel – vor allem für Verdauungsbeschwerden – eingesetzt. Die kulinarische Verwendung setzte sich hierzulande erst im 19. Jahrhundert durch, als Zucker erschwinglich wurde und die ausgeprägte Säure des Gemüses mit Süße in Balance gebracht werden konnte. Der Blechkuchen als Backform ist dabei eine typisch deutsche Tradition: Backbleche erlauben große Mengen mit vergleichsweise wenig Aufwand, was sie für Familienfeste, Kaffeetafeln und Schulveranstaltungen zum Standard machte.
Streuselkuchen selbst hat tiefe Wurzeln in der schlesischen Backkultur und breitete sich über Generationen von Vertriebenen und Auswanderern in ganz Deutschland aus. Die Kombination aus Rhabarber und Streusel ist dabei regional unterschiedlich: In manchen Gegenden wird unter die Rhabarberfüllung ein Guss aus Ei, Sahne und Zucker gegeben, der beim Backen stockt und die Füllung bindet – ähnlich wie bei einem Quicheprinzip. Die hier vorgestellte Version ohne Guss ist schneller, weniger aufwändig und betont die natürliche Textur des Rhabarbers stärker.
Nährwerte pro Stück (Richtwerte, ca. 20 Stücke)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~265 kcal |
| Eiweiß | ~3 g |
| Kohlenhydrate | ~36 g |
| davon Zucker | ~17 g |
| Fett | ~12 g |
| Ballaststoffe | ~1,5 g |
Häufige Fragen
Kann ich den Kuchen am Vortag backen?
Ja, und er schmeckt am nächsten Tag oft noch besser. Die Füllung setzt sich beim Abkühlen und die Streusel nehmen leicht Feuchtigkeit auf, was sie mürber macht. Den ausgekühlten Kuchen abgedeckt bei Raumtemperatur aufbewahren oder mit Frischhaltefolie auf dem Blech im Kühlschrank lagern. Vor dem Servieren kurz bei 150 °C für 5 Minuten aufwärmen, damit die Streusel wieder knusperig werden.
Wie bewahre ich Reste auf?
In Stücke geschnitten und luftdicht verpackt hält der Kuchen 2 bis 3 Tage im Kühlschrank. Einfrieren ist ebenfalls möglich: Die Stücke einzeln in Frischhaltefolie wickeln und in einem Gefrierbeutel bis zu 2 Monate einfrieren. Zum Auftauen bei Raumtemperatur 1–2 Stunden stehen lassen oder kurz bei niedriger Temperatur im Ofen aufwärmen.
Welche Varianten und Substitutionen sind möglich?
Die Rhabarberfüllung lässt sich mit Erdbeeren (ab Mai auf dem Markt) mischen – das klassische Duo Rhabarber-Erdbeere mildert die Säure und gibt der Füllung mehr Farbe. Wer weniger Zucker verwenden möchte, kann einen Teil durch Apfelmus ersetzen, das natürliche Süße mitbringt und gleichzeitig die Füllung bindet. Für eine nussigere Streuselvariante eignen sich Haferflocken als Teilersatz für Mehl. Der Mürbeteigboden kann vollständig durch einen Rührteig ersetzt werden – dieser ist weicher und geht stärker auf, was einem schmaleren, weichem Boden ähnlicher kommt als der klassisch mürben Variante.
Muss ich den Rhabarber schälen?
Nicht zwingend. Junge Frühjahrsstangen – und die sind jetzt im März und April an den Märkten zu finden – haben eine dünne, zarte Haut, die beim Backen weich wird und kaum auffällt. Bei älteren oder sehr dicken Stangen, die ab Mai erhältlich sind, empfiehlt sich das Schälen, weil die Außenhaut dann faserig und leicht zäh ist. Im Zweifel: Ein kleines Stück roh probieren – ist die Haut biegsam und gibt nach, muss sie nicht entfernt werden.
Kann ich den Kuchen auch in einer Springform backen?
Ja, aber die Backzeit verändert sich. In einer Springform (26–28 cm) ergibt sich ein deutlich höherer Kuchen mit dickerer Füllungsschicht. Die Backzeit erhöht sich auf etwa 45 bis 50 Minuten, und man sollte den Kuchen nach 35 Minuten mit einer Stäbchenprobe überprüfen. Das Blech hat den Vorteil der größeren Oberfläche: mehr Streusel, mehr Rand, mehr Stücke.



