Anfang April bringt der Frühling die ersten zarten Rhabarberstangen auf den Markt – und kaum ein Gemüse signalisiert den Saisonwechsel so eindeutig wie dieses leuchtend rote, leicht pelzig behaarte Gewächs. Wer jetzt auf dem Wochenmarkt zugreift, bekommt die jüngsten Triebe: besonders zart, weniger sauer, mit einer frischen Fruchtigkeit, die nach wenig mehr als einem Topf und zehn Minuten Geduld verlangt. Ein Rhabarberkompott ist keine Wissenschaft – aber es gibt Handgriffe, die über Mittelmaß und wirklich gutes Ergebnis entscheiden.
Dieses Rezept zeigt, wie man aus wenigen Zutaten in kürzester Zeit ein Kompott kocht, das seine Farbe behält, nicht zu süß und nicht zu wässrig wird, und das sich genauso überzeugend neben einer Kugel Vanilleeis macht wie über einem Löffel cremigem Joghurt am Morgen. Die Technik ist einfach, die Wirkung überraschend fein. Also: Schürze angebunden und Rhabarber geputzt.
| Vorbereitung | 5 Min. |
| Kochen | 10 Min. |
| Portionen | 4 Personen |
| Schwierigkeitsgrad | Einfach |
| Kosten | € |
| Saison | Rhabarber (April–Juni) |
Geeignet für: Vegan · Vegetarisch · Glutenfrei · Laktosefrei
Zutaten
- 500 g frischer Rhabarber (möglichst junge Stangen, Anfang April)
- 80 g Zucker (Feinzucker oder Rohrohrzucker)
- 3 EL Wasser
- 1 Bio-Orange, Schale fein abgerieben und Saft ausgepresst (ca. 3 EL)
- 1 Vanilleschote, aufgeschlitzt und Mark herausgekratzt (oder ½ TL Vanilleextrakt)
- 1 Prise Meersalz
Utensilien
- Schneidebrett
- Küchenmesser
- Mittelgroßer Topf mit schwerem Boden
- Holzlöffel oder Silikonspatel
- Zestenreibe oder Microplane
- Zitruspressen
- Verschließbares Schraubglas (zum Aufbewahren)
Zubereitung
1. Rhabarber putzen und schneiden
Die Rhabarberstangen unter kaltem Wasser abwaschen und die Enden kappen. Beim Frühjahrsrhabarber aus dem April ist die Schale so dünn und zart, dass man sie in der Regel nicht schälen muss – ein leichtes Abziehen der gröbsten Fäden an älteren Stangen reicht völlig aus. Die Stangen in gleichmäßige Stücke von etwa 2 bis 3 cm schneiden: Diese Größe sorgt dafür, dass das Gemüse gleichmäßig gart und nicht zu Brei zerfällt, bevor das Kompott die gewünschte Konsistenz erreicht hat. Je gleichmäßiger der Schnitt, desto kontrollierbarer das Ergebnis.
2. Sud ansetzen und aromatisieren
Zucker, Wasser, Orangensaft sowie die Orangenzeste und das Vanillemark in den Topf geben. Die Prise Meersalz nicht vergessen: Sie hebt die Fruchtaromen an, ohne selbst schmeckbar zu sein – ein Prinzip, das in der Konditoreküche seit jeher gilt. Den Topf bei mittlerer Hitze erwärmen und den Zucker unter gelegentlichem Rühren vollständig auflösen. Sobald der Sud leicht blubbert und eine goldene Karamellnote zu entstehen beginnt – gut erkennbar an einem süßlichen, leicht nussigen Duft –, weiter in Schritt 3.
3. Rhabarber einlegen und sanft kochen
Die Rhabarberstücke in den heißen Sud geben und alles einmal vorsichtig umrühren, sodass jedes Stück benetzt ist. Die Temperatur auf niedrige bis mittlere Hitze reduzieren. Der Rhabarber gibt schnell Flüssigkeit ab – zu hohe Hitze würde ihn sofort zerfallen lassen, zu niedrige verlängert den Prozess unnötig. Nach etwa 5 bis 7 Minuten beginnen die äußeren Schichten der Stücke weich zu werden, während die Mitte noch leichten Biss hat: genau der richtige Moment. Für ein Kompott mit Struktur den Topf vom Herd nehmen. Wer eine weichere, cremigere Konsistenz bevorzugt, lässt noch 2 bis 3 Minuten weiterköcheln.
4. Abkühlen und geschmack korrigieren
Das Kompott vom Herd nehmen und offen abkühlen lassen – zunächst auf Zimmertemperatur, dann, wenn gewünscht, im Kühlschrank. Beim Abkühlen dickt es leicht nach, da die Pektine im Rhabarber binden: also beim Probieren direkt nach dem Kochen nicht zu früh nachsüßen. Erst wenn das Kompott auf etwa handwarm abgekühlt ist, abschmecken und gegebenenfalls mit einem Teelöffel Zucker oder einem Spritzer Orangensaft nachregulieren. Die Farbe – ein lebhaftes Rosa bis tiefes Karminrot – bleibt am schönsten erhalten, wenn man den Topfdeckel während des Kochens geschlossen hält und das Kompott nicht zu lange auf dem Herd lässt.
Mein Küchentipp
Wer das Kompott einen Tag im Voraus zubereitet, profitiert von einem intensiveren Aroma: Die Orange und die Vanille ziehen über Nacht tiefer ein, die Säure des Rhabarbers rundet sich ab. Am nächsten Morgen über griechischen Joghurt mit einem Esslöffel gerösteten Haferflocken – das ist Frühstück auf Restaurantniveau. Für eine feinere Konsistenz lässt sich ein Drittel des Kompotts mit einem Stabmixer pürieren und wieder unterrühren: So entsteht eine sämige Sauce mit sichtbaren Fruchtstücken, die besonders schön auf Vanilleeis aussieht.
Getränkebegleitung
Ein Rhabarberkompott bringt ausgeprägte Fruchtsäure mit und verlangt nach Begleitern, die entweder mitspielen oder ausgleichen.
Zum Dessert mit Vanilleeis passt ein Moscato d'Asti aus dem Piemont hervorragend: leicht perlend, mit Pfirsich- und Rosenblütenaromen, dezente Süße, die die Säure des Rhabarbers schön einrahmt. Wer lieber Rosé bevorzugt, greift zu einem trockenen Provence-Rosé – Erdbeernoten, frische Säure, unaufgeregt elegant. Ohne Alkohol empfiehlt sich ein Holunderblütensirup mit Mineralwasser, der die floralen Töne der Vanille aufgreift und die Säure des Rhabarbers mit Frische kontert.
Rhabarber: ein kurzer blick zurück
Rhabarber stammt ursprünglich aus Zentralasien und wurde über Jahrhunderte primär als Heilpflanze eingesetzt – seine Wurzeln galten in der chinesischen Medizin als verdauungsfördernd und fiebersenkend. Nach Europa gelangte er über die Seidenstraße, und erst ab dem 18. Jahrhundert begann man, die Blattstiele kulinarisch zu nutzen. In Deutschland und Österreich etablierte er sich als fester Bestandteil der Frühjahrsküche, oft in Kombination mit Erdbeeren oder als Füllung für Kuchen und Strudel.
Das Kompott ist dabei die ursprünglichste und schnellste Form der Zubereitung: kein Backen, kein Eindicken mit Gelatine oder Stärke, nur Hitze, Zucker und Frucht. Regionale Varianten reichen von der skandinavischen Version mit Kardamom und Ingwer bis zur englischen Rhubarb Crumble Sauce, die dem Streuselkuchen als Unterlage dient. In Deutschland ist die Kombination mit Vanillesauce oder – wie hier – mit Vanilleeis nach wie vor klassisch und zeitlos.
Nährwerte (pro Portion, ca. 125 g, Richtwerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~95 kcal |
| Eiweiß | ~0,8 g |
| Kohlenhydrate | ~22 g |
| davon Zucker | ~20 g |
| Fett | ~0,2 g |
| Ballaststoffe | ~1,5 g |
Häufige fragen
Kann man das Rhabarberkompott im voraus zubereiten?
Ja, das Kompott eignet sich hervorragend zur Vorbereitung. Im Kühlschrank hält es sich in einem sauberen, verschlossenen Schraubglas bis zu 5 Tage. Das Aroma entwickelt sich über Nacht sogar noch weiter: Die Vanille und Orangenzeste ziehen tiefer ein, und die Säure des Rhabarbers rundet sich geschmacklich deutlich ab. Für Gäste oder das Wochenfrühstück lässt es sich also bequem einen Tag vorher herstellen.
Wie bewahrt man rhabarberkompott richtig auf?
Das abgekühlte Kompott in ein sauberes, sterilisiertes Schraubglas füllen und im Kühlschrank aufbewahren – dort hält es sich 4 bis 5 Tage. Wer länger vorsorgen möchte: Das Kompott lässt sich portionsweise einfrieren. Dazu in Gefrierbeutel oder kleine Behälter abfüllen und bis zu 3 Monate tiefkühlen. Zum Auftauen einfach über Nacht in den Kühlschrank stellen und bei Bedarf kurz erwärmen.
Welche varianten und ersatzzutaten sind möglich?
Rhabarber verträgt sich gut mit anderen Früchten der Saison. Ab Mai lassen sich Erdbeeren unterrühren – die Süße der Erdbeere mildert die Säure, und die Farbe wird noch intensiver. Im Sommer funktioniert eine Kombination mit Himbeeren oder Pfirsich. Wer keinen Zucker verwenden möchte, kann mit Honig oder Ahornsirup süßen – Honig fügt eine leichte Blumennote hinzu, Ahornsirup einen wärmeren, leicht karamelligen Unterton. Orange lässt sich durch Zitrone ersetzen, was das Kompott noch frischer und spritziger macht.
Muss rhabarber geschält werden?
Bei jungem frühjahrsrhabarber aus dem April ist Schälen nicht notwendig: Die Schale ist noch dünn, zart und liefert beim Kochen zusätzliche Farbe – das schöne Rosa des Kompotts kommt größtenteils aus ihr. Bei älterem, dickeren Rhabarber aus dem Spätsommer hingegen ist die Schale faserig und zäh; hier empfiehlt sich das Abziehen der groben Fäden. Ein einfacher Test: Mit dem Fingernagel leicht an die Schale drücken – lässt sie sich mühelos einritzen, ist sie jung genug, um dran zu bleiben.
Warum verliert das kompott manchmal seine rote farbe?
Die roten Pigmente im Rhabarber – sogenannte Anthocyane – reagieren empfindlich auf Hitze und lange Kochzeiten. Wer ein lebhaftes Rosa bis Karminrot behalten möchte, kocht das Kompott deshalb bei niedriger bis mittlerer Hitze und nicht länger als 8 bis 10 Minuten. Außerdem hilft ein Spritzer Zitrus- oder Orangensaft: Die Säure stabilisiert die Farbpigmente. Ein Topfdeckel während der Kochzeit schützt zusätzlich, da weniger Sauerstoff an das Kompott gelangt.



