Grüne Soße wie in Frankfurt: Das Originalrezept mit allen 7 Kräutern

Wenn der April in Frankfurt seinen Einzug hält, wissen die Marktfrauen am Liebfrauenberg genau, was die Kundschaft verlangt: sieben bestimmte Kräuter, frisch und zart, die gerade aus der Erde geschossen sind. Die Grüne Soße, auf Frankfurterisch liebevoll „Grie Soß" genannt, ist kein einfaches Salatdressing – sie ist ein Kulturgut, das mit dem Frühjahr steht und fällt. Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch: diese sieben Kräuter, nicht mehr und nicht weniger, definieren das Originalrezept. Ohne alle sieben gibt es keine echte Frankfurter Grüne Soße – das ist in dieser Stadt so unverhandelbar wie der Apfelwein im Bembel.

Dieses Rezept folgt dem klassischen Frankfurter Weg: hart gekochte Eier, saure Sahne, etwas Schmand, ein Spritzer Senf und Essig – und natürlich die kräutergrüne Seele der Sauce. Was nach Einfachheit klingt, verlangt Sorgfalt: beim Wiegen der Kräuter, beim Hacken, beim Abschmecken. Wer einmal verstanden hat, wie diese sieben Pflanzen miteinander in Balance treten, wird die Sauce nie wieder aus dem Glas kaufen. Es ist Zeit, das Messer zu schärfen und die Schüssel herauszustellen.

Vorbereitung25 Min.
Kochzeit12 Min.
Ruhezeit30 Min.
Portionen4 Personen
SchwierigkeitsgradEinfach
Kosten
SaisonFrühjahrskräuter: Kerbel, Borretsch, Pimpinelle, Kresse, Sauerampfer, Schnittlauch, Petersilie

Geeignet für: Vegetarisch · Glutenfrei

Zutaten

Für die Kräuterbasis

  • 300 g frische Frankfurter Kräutermischung (je ca. 40–45 g pro Kraut): Borretsch, Kerbel, Gartenkresse, glatte Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer, Schnittlauch

Für die Sauce

  • 6 Eier, Größe M, frisch
  • 200 g Schmand (mind. 24 % Fett)
  • 200 g saure Sahne
  • 100 g Naturjoghurt, vollfett
  • 1 TL mittelscharfer Senf
  • 1–2 EL Weißweinessig oder milder Apfelessig
  • 1 TL Rapsöl oder mildes Sonnenblumenöl
  • Salz und frisch gemahlener weißer Pfeffer
  • ½ TL Zucker (optional, zum Ausgleichen)

Zum Servieren

  • 600 g Salzkartoffeln (festkochend), frisch gekocht
  • Alternativ: Tafelspitz oder geräucherter Lachs

Küchenzubehör

  • Kleines Schneidebrett aus Holz oder Kunststoff
  • Sehr scharfes Kochmesser oder Wiegemesser
  • Mittlerer Kochtopf (für die Eier)
  • Eiswasser-Schüssel
  • Große Rührschüssel
  • Gabel oder Kartoffelpresse (für die Eigelbe)
  • Feingitter-Sieb (optional, zum Passieren der Kräuter)
  • Küchenwaage

Zubereitung

1. Die Kräuter waschen und vorbereiten

Alle sieben Kräuter werden einzeln unter kaltem Wasser gewaschen – nicht gemeinsam, damit sich die unterschiedlichen Strukturen nicht verknoten. Der Borretsch ist leicht behaart und gibt beim Quetschen einen gurkenähnlichen, frischen Duft ab; der Sauerampfer riecht beim Zerreißen dezent nach Zitronensäure. Grobe Stiele werden entfernt, besonders beim Kerbel und der Petersilie, da sie einen bitteren Unterton in die Sauce bringen können. Die Kresse wird direkt über dem Beet oder dem Papiertöpfchen abgeschnitten, die feinen Stängel dürfen mitverwendet werden. Nach dem Waschen die Kräuter auf einem sauberen Küchentuch ausbreiten und vorsichtig trocken tupfen – Restfeuchtigkeit verdünnt die Sauce und nimmt ihr die Bindung. Das Gesamtgewicht der geputzten Kräuter sollte zwischen 280 und 320 g liegen.

2. Die Kräuter fein hacken

Für die originale Frankfurter Grüne Soße werden die Kräuter per Hand gehackt, niemals im Mixer oder mit einem Stabmixer püriert. Der Unterschied ist fundamental: Pürieren oxidiert die Kräuter sofort, die Sauce wird grau statt leuchtend grün, und die feinen Aromanuancen verschwimmen zu einem einheitlichen Grün-Brei. Das Messer muss scharf sein – ein stumpfes Messer quetscht die Kräuterzellen, statt sie sauber zu schneiden, was den Kräutersaft ungewollt freisetzt und die Textur der fertigen Sauce matschig macht. Alle Kräuter zusammen auf das Brett geben und mit dem Wiegemesser oder dem Kochmesser in einer Schaukelbewegung fein hacken, bis die Kräuter fast wie ein loses Pesto aussehen – aber noch Struktur haben. Beiseite stellen.

3. Die Eier hart kochen und trennen

Die sechs Eier in kaltem Wasser aufsetzen, zum Kochen bringen und genau 10 bis 12 Minuten kochen lassen. Ein zu weiches Eigelb lässt sich nicht cremig einrühren; ein zu langes Kochen macht das Eigelb krümelig und bildet den typischen grauen Rand. Die Eier sofort nach der Kochzeit in eiskaltes Wasser legen und vollständig abkühlen lassen – mindestens 5 Minuten. Dann pellen, halbieren und Eigelb und Eiweiß trennen. Die Eigelbe kommen in eine große Rührschüssel, die Eiweiße werden auf einem Brett sehr fein gewürfelt – je kleiner, desto schöner verteilen sie sich später in der Sauce und geben ihr die charakteristische weiß-grüne Fleckentextur.

4. Die Basis der Sauce anrühren

Die sechs Eigelbe mit einer Gabel oder einem Kartoffelstampfer zu einer glatten Paste drücken – keine Klumpen. Dann den Senf dazugeben und mit dem Öl einarbeiten: Dieser Schritt funktioniert wie eine Mini-Emulsion und gibt der Sauce später ihre Bindung und einen leichten Glanz. Schmand, saure Sahne und Joghurt nacheinander einrühren, bis eine homogene, leicht dickflüssige Creme entsteht. Den Essig in kleinen Mengen dazugeben und abschmecken – die Sauce braucht Säure als Rückgrat, aber sie darf nicht spitz schmecken. Salz, weißer Pfeffer und nach Geschmack eine kleine Prise Zucker ausgleichen.

5. Kräuter und Eiweiß einarbeiten

Die fein gehackten Kräuter in die Sahnebasis einrühren – zügig, aber ohne zu reißen. Die gewürfelten Eiweiße unterheben. Die Sauce soll jetzt intensiv grün aussehen mit weißen Punkten und einer leicht körnigen, lebendigen Textur. Wer eine etwas glattere Version bevorzugt, kann die Hälfte der Kräuter vor dem Einrühren kurz durch ein feines Sieb reiben – aber das ist kein Frankfurter Original, sondern eine Konzession an die Optik. Die fertige Sauce zugedeckt mindestens 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen, damit sich die Aromen der sieben Kräuter vollständig entfalten und zu einem runden Geschmacksbild zusammenwachsen können.

6. Abschmecken und servieren

Nach der Ruhezeit die Sauce nochmals abschmecken – Kräuter geben beim Ziehen Säure und Bitterkeit weiter ab, besonders der Sauerampfer. Gegebenenfalls mit einer Spur Essig nachschärfen oder mit etwas mehr Schmand abrunden. Die Sauce wird traditionell zimmerwarm serviert, nicht direkt aus dem Kühlschrank – zu kalt verliert sie an Aroma. Mit frisch gekochten Salzkartoffeln, einem Stück Tafelspitz oder einfach mit Brot auf den Tisch bringen.

Mein Küchengeheimnis

Wer im April auf dem Frankfurter Markt einkauft, findet die sieben Kräuter oft bereits als fertige „Grie-Soß-Bund" – eine Tradition, die seit Jahrzehnten gepflegt wird. Zu Hause sollten die Kräuter erst kurz vor dem Hacken aus dem Kühlschrank geholt werden: Zu kalte Kräuter geben ihr Aroma schwerer ab. Ein Trick aus der alten Frankfurter Küche: ein kleiner Löffel Crème fraîche unter die fertige Sauce gerührt macht sie samtiger, ohne den Kräutercharakter zu überdecken. Und die Sauce am nächsten Tag, wenn die Kräuter vollständig eingezogen sind, schmeckt noch intensiver als am ersten.

Getränkeempfehlung

Die Grüne Soße trägt ein frisches, kräuterbetont-säuerliches Aromaprofil – der Wein dazu braucht Leichtigkeit, Mineralität und eigene Kräuterwürze, ohne die empfindliche Balance der Sauce zu erschlagen.

Ein trockener Rheingauer Riesling Kabinett mit seiner Schiefer-Mineralität und dem Duft nach grünem Apfel und Zitrusschale ist der klassische Begleiter – die Säure spiegelt den Sauerampfer und macht den Gaumen nach jedem Bissen wieder frei. Wer es etwas zugänglicher mag, greift zu einem jungen Silvaner aus Franken, der mit Kräuterwürze und zurückhaltender Frucht perfekt in den Frühling passt. Ohne Alkohol: Apfelschorle mit einem Spritzer Holunderblütensirup über Eis übernimmt die aromatische Brücke überraschend überzeugend.

Geschichte und Herkunft der Grünen Soße

Die Frankfurter Grüne Soße besitzt eine der romantischesten Herkunftsgeschichten der deutschen Küche. Johann Wolfgang von Goethe soll sie geliebt haben – seine Mutter, Catharina Elisabeth Goethe, bereitete sie regelmäßig in der Großen Hirschgraben zu, und der Dichter selbst ließ sich die Sauce angeblich noch in seinen Weimarer Jahren nach Thüringen schicken. Ob die Geschichte stimmt oder zur Stadtlegende geworden ist, spielt für den Geschmack keine Rolle: Die Sauce ist seit dem späten 18. Jahrhundert in Frankfurt verwurzelt, und die Kräuter wachsen im Sachsenhäuser und Berger Umland noch heute auf denselben Feldern wie damals.

Seit 2016 trägt die Frankfurter Grüne Soße das Siegel der geschützten geografischen Angabe (g.g.A.) der Europäischen Union – ein Schutzstatus, der bislang eher Käsen und Schinken vorbehalten war. Die sieben Kräuter sind dabei vertraglich festgelegt: Keine Variation, kein Ersatz. Außerhalb von Frankfurt findet man gelegentlich Varianten mit Mayonnaise statt saurer Sahne oder mit acht Kräutern – beides wird in der Stadt mit freundlichem Kopfschütteln quittiert.

Nährwerte (pro Portion, Richtwerte)

NährstoffMenge
Kalorien~310 kcal
Eiweiß~12 g
Kohlenhydrate~6 g
davon Zucker~4 g
Fett~26 g
Ballaststoffe~2 g

Häufig gestellte Fragen

Kann die grüne Soße im voraus zubereitet werden?

Ja – und es empfiehlt sich sogar. Die Sauce profitiert von einer Ruhezeit von mindestens 30 Minuten, besser zwei bis drei Stunden im Kühlschrank. Über Nacht entwickelt sie ihr volles Aroma. Mehr als einen Tag im Voraus sollte man sie jedoch nicht zubereiten, da die Kräuter nach 24 Stunden an Frische verlieren und der Sauerampfer die Sauce nach und nach stärker ansäuert.

Was tun, wenn eines der sieben Kräuter nicht erhältlich ist?

Das ist die Gretchenfrage. Im Frühjahr, wenn alle sieben Kräuter Saison haben, sollte eigentlich keines fehlen – auf Wochenmärkten oder in gut sortierten Bioläden sind die sieben oft bereits gebündelt zu finden. Wer Pimpinelle partout nicht auftreiben kann, nähert sich mit einer kleinen Menge Estragon oder Liebstöckel an, wobei das streng genommen kein Original mehr ist. Borretsch ist manchmal durch Kapuzinerkresseblätter ersetzbar, die einen ähnlich milden, gurkigen Grundton mitbringen.

Wie wird die grüne Soße richtig aufbewahrt?

Im Kühlschrank, abgedeckt in einem verschlossenen Behälter, hält die fertige Sauce zwei Tage. Einfrieren ist nicht empfehlenswert: Die Milchprodukte flocken beim Auftauen aus, und die Kräuter verlieren ihre Farbe und Textur vollständig. Reste am besten direkt nach dem Servieren kühl stellen.

Welche Beilagen passen zur Frankfurter grünen Soße?

Der Klassiker ist die festkochende Salzkartoffel – keine Butter, kein Schnickschnack. Tafelspitz vom Rind, dünn aufgeschnitten, ist die zweite große Tradition. In modernen Frankfurter Küchen wird die Sauce auch zu gebratenem Spargel, pochiertem Lachs oder einfach zu Quark auf dunklem Brot serviert. Hartgekochte Eier als alleinige Beilage – ohne Fleisch – sind ebenfalls eine klassische, günstige Variante, die besonders im Frühling überzeugend wirkt.

Kann die Sauce vegan oder ohne Ei zubereitet werden?

Eine vollständig vegane Version ist möglich, verändert jedoch den Charakter des Gerichts grundlegend. Die Eier lassen sich durch Cashewcreme und Senf ersetzen, saure Sahne durch Hafer- oder Sojajoghurt mit einem Spritzer Zitronensäure. Die Bindung und die charakteristische Cremigkeit weichen dann von der traditionellen Variante ab. Für Menschen mit Eierallergie bietet sich Schmand-Joghurt-Basis ohne Eier an – die Sauce verliert etwas von ihrer Fülle, bleibt aber kräuterbetont ausdrucksstark.

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